20. Dezember 2011
Um auch mal ein wenig über den Tellerrand zu schauen, haben wir unsere Weihnachtsfeier
zum Anlass genommen uns ein wenig an Videoschnitt zu versuchen. Aufhänger des
ganzen war die Tagesschau … ähm … natürlich Weihnachtsschau
;-).
Wir haben uns also ein kleines Drehbuch zusammengeschrieben, eine Leinwand hinter
Herrn Grün, unserem verkannten Nachrichtensprecher aufgebaut und alle Aufnahmen
in einer ¾ Stunde durchgezogen.
Das erste was wir beim Schnitt dann feststellen mussten: Weißer Hintergrund
beim Filmen ist keine gute Idee … vor allem nicht, wenn man selber große
weiße Flächen mit in das Video aufnimmt ;-)
Das Problem hierbei ist, dass man quasi nur einen Auswahlpinsel hat, dem man eine
gewisse Toleranz (also Farbspielraum) erlauben kann und dessen ausgewählte
Flächen dann durch den Hintergrund ersetzt werden. Etwas, was die meisten Tools
aber nicht unterstützen, ist: Gebiete von diesem Spielraum ausschließen.
Wir gingen dabei davon aus, dass der Hintergrund automatisch ausgewählt werden
würde und wir nur das Papier von dieser Auswahl ausschließen müssten
– diese Option gibt es aber im Normalfall einfach nicht.
Ein Werkzeug für diesen Zweck haben wir schließlich in Adobes „After
Effects“ gefunden – das „Roto Pinsel“ Tool:
Das Tool erlaubt einem innerhalb einer Filmsequenz durch grobes Umranden von Objekten
diese zu markieren (muss nicht pixelgenau sein).
Hat man das über die komplette Sequenz grob verteilt gemacht, erhält man
eine Zeitleiste mit Keyframes:
Wie man kurz nach Sekunde 4 auf dem obigen Screenshot sehen kann, erscheint auf
der Zeitleiste zwischen den Keyframes eine kleine grüne Linie. Diese zeigt
an, wie weit das RotoTool selbstständig die Markierung aufrechterhalten kann.
Man muss lediglich aufpassen, dass diese Linie keine Lücken aufweist (wie kurz
hinter dem gelben Marker) – an diesen Stellen würde in der Detailansicht
die rosa Linie nicht erscheinen und in der Ausgabe einfach das Ursprungsbild angezeigt
werden. Um dieses Problem zu umgehen, müsste an der entsprechenden Stelle ein
neuer Keyframe eingefügt werden, um das Tool wieder auf die richtige Spur zu
bringen. Für nicht so hektische Szenen, ist dieses Tool wirklich großartig
und nimmt einem viel Arbeit ab.
Die Ausgabe des Tools hätte unseren experimentier-Ansprüchen auch in der
Tat gereicht, wenn die Kanten auch ein wenig grob sind bei den schnellen Bewegungen:

Leider haben wir nur beim ersten Versuch nicht immer auf die Keyframes geachtet
und deswegen wurde aus unserem Nachrichtensprecher plötzlich der kopflose Reiter:
Das einzige Problem an der Arbeit mit „After Effects“ ist eine SEEEEHR
LANGE Renderzeit – also die Ausgabe des bearbeiteten Videos in einer eigenen
Videodatei in der vollen Videoqualität. Bereits auf meine 20 sekündige
RotoPinsel-Demo-Sequenz habe ich knapp über einer Stunde gewartet. Dabei hatten
wir aber auch wirklich VIELE Keyframes händisch gesetzt.
Da die Weihnachtsfeier näher kam und uns somit die Zeit ausging, entschieden
wir uns aber dafür, dass es zu aufwendig wäre jetzt alle Szenen mit dem
RotoPinsel zu bearbeiten. Stattdessen haben wir vor einem, von Fr. Grün persönlich
zusammengenähten, grünen Bettlaken, die Szenen noch einmal gedreht:
Wie man hier schon sieht, ist der Kontrast zum weißen Papier im Vordergrund
auch gleich viel größer. Das hatte gleich zwei Vorteile:
1.) Wir brauchten kein RotoTool und keine händische Auswahl mehr, um den
Hintergrund zu ersetzen – die automatische Auswahl hat das schon gut genug
alleine erledigt. Man sieht zwar noch unten in der Ecke bei Markus‘ Jacke,
dass der Schatten etwas zu dunkel war und deshalb noch ein paar Reste mitgekommen
sind – aber das war ok für unsere Zwecke ;-)
2.) Wir konnten das Video in „Adobe Premiere“ rendern lassen, welches
das ganze Video (ca. 40Min) in knapp 3h VOLLSTÄNDIG gerendert hat. (Wir erinnern
uns kurz wie lange das in „After Effects“ gedauert hat ;-D).
All das geht in Premiere über den Video-Effekt „Chroma Keying“
… dann einfach die Farbe auswählen und die Toleranz bestimmen. Wichtig
hier sind nur die „Farbe“ (Pinzette), die „Ähnliche Farbe“,
die die Toleranz bestimmt und der Schwellenwert-Regler:
Das tolle an dem „Schwellenwert“ ist übrigens, dass man trotz des
Ersetzens des Hintergrunds den Schatten von Markus, den er auf dem grünen Tuch
hinterlassen hat mit auf unseren neuen Hintergrund übertragen lassen kann.
Da wirkt das Hintergrundbild gleich nochmal realistischer:
Ich hoffe Ihr hattet Spaß daran uns ein wenig bei der Odyssee durch die ersten
Schritte der Videobearbeitung zu folgen.